WEINBREVIER

Schön ist es lieber Bruder Wein, im Liede Dich zu preisen, denn siehe, Du lädst alle ein, die Toren und die Weisen.

Du trägst auf Deiner gold’nen Flut, den Geist der Unterscheidung, da ofenbart sich bös’ und gut, da fällt des Trugs Verkleidung.

Im Wein ist Wahrheit, aller Schein, im Wein wird er zunichte, und doch, des Alltags karges Sein, Du hebst es auf ins Lichte.

Du bist ein Dichter, Bruder Wein, und Dichter, sagt man, lügen, So muss es denn gestanden sein, Du kannst uns auch betrügen.

Doch nein, Du nicht, es liegt der Trug, in uns’rem eignen Herzen, Das kennt kein Maß, hat nie genug, du schafft sich Not und Schmerzen.

O tröste uns in dieser Zeit, wir tragen arg Beschwerden, die Not, der Tod und bitt’res Leid, nimmt überhand auf Erden.

So kann kein Lied, mein Bruder Wein, Dich je genugsam preisen, stets sollst Du fromm getrunken sein: von Toren und von Weisen!"
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